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Wie heißt es doch so schön, manchmal kommt man zu einem neuen Hobby, wie die Jungfrau zum Kind.

Bis zu meinem 31,1/2 sten Lebensjahr war ich ein ganz gar fröhliches Kerlchen mit einer, vom Vater stark geprägten, Neigung zum Heim- und Handwerken, welche sich relativ regelmässig in einer Art periodischem Bastelwahn bemerkbar machte.

Mindestens einmal im Jahr bekam ich das Fieber, so ein Kribbeln in den Fingern, eine innere Unruhe, eine Stimme die zu mir sprach und sagte: “Du musst sofort den Pinsel schwingen, deine alte Bohrmaschine auf Touren bringen, den Hammer in die Hand nehmen, mal wieder richtig was verdübeln und mit dem Hobel kräftig drüber fahren”

(Ein Schelm wer Böses denkt!)

Bis dato sind diese periodischen Wahnattacken dann doch immer noch relativ glimpflich (für Dritte), wenn auch kostspielig (für mich) ausgegangen.

Da wurde dann mal fix eine Wand, eine Wohnung, eine Tiefgarage, gar eine Kartbahn gestrichen, gerollt, gesprayt, getupft, gewickelt und wieder ausgepackt, oder hier und da ein Schrank aufgestellt, Möbelstücke gezeichnet, gesägt, gehämmert, getackert, verlötet und verschraubt. Als Gipfel des Wahnsinns wurde dann auch noch der amerikanische Traum vom vorsätzlich, hartnäckigen Geldvernichtens auf acht Töpfen erfüllt. (Apropos, ich wollt ja eigentlich schon immer mal wieder die Kleinanzeigen im KFZ-Teil studieren)

Zurück zur Geschichte, da stand sie also nun vor mir, diese nette Kollegin mit ihrem dringenden Bedürfnis, einer mir bis dahin nur aus “good old” Gzimmeks Expeditionen bekannten, urzeitlichen Spezies, eine neue, artgerechte Behausung zu suchen.

Iguana Iguana, oder wie der Volksmund sagt, der grüne Leguan. Jahaa das is bestimmt ein sehr feines Tierchen, gibt’s ja nix. So ein Saurier. Was, ein kleiner Drachen? Jaha, sowas kenn ich auch (Grisu hieß der glaub ich mal). Und, was frißt der denn so am Tach? Mmhm? Bestimmt n’halbes Pferd mit Zwiebeln, oder, haha, zum Frühstück, gell, haha? Ach Blätter und Obst? Mmhmm ja, das mag meine Frau auch ganz gern mal, bei mir darf’s dann ja doch eher 2x täglich ein saftig, leckerer Schweinsbraten sein. Na gut, ich muß dann auch mal wieder, gell, ja, ich hör mich mal um, wir finden da bestimmt ein neues Zuhause für den, wie hieß er noch gleich? “Wurschtl Sepp”!! *haha* Ja, wir ham ja so einige total bekloppte Freunde und Bekannte, da findet sich sicherlich der ein oder andere, also dann mal bis morgen, ja, schönen Abend noch, und nen Gruss an die Schwester...

Um die Dynamik der darauf folgenden Handlungen und Ereignisse korrekt, sozusagen anhand einer imaginären Zeitleiste realistisch darzustellen, muß ich an dieser Stelle zu einer stilistisch anderen Schreibweise wechseln, um dem überstürzten Verlauf der Dinge gerecht zu werden, dem tabellarischen Schnelldurchlauf.

Bei Google “IGUANA” eingegeben
Geklickt, gescrollt, GESTAUNT

Abends zum Zoocenter gefahren.
Buch “Leguane” und “Terrarien selber bauen” gekauft.
Nachts, nach einem simuliertem Toilettengang mit einem Zollstock durch die dunkle Wohnung getappert, erste Vermessungen angestellt.

Am nächsten Morgen der freudestrahlenden Kollegin das Tier als bereits vermittelt gemeldet.

Zeichnungen angelegt.
Bei Google “Terrarium” eingegeben
Zeichnungen der Ablage P zugeführt, neue erstellt.

Allen mir bekannten Baumärkten einen obligatorischen Besuch abgestattet, inspirierende Marktforschung betrieben

Ein zweites Mal Vermessungen vorgenommen und erste Konstruktionspläne am Rechner erstellt.

Bei Google “HQL, Thermostatschalter, Hygrometer, UV-Röhren und Terraristik Fachhandel” eingegeben.

Konstruktionspläne teils verworfen, teils korrigiert. Ein weiteres Mal Vermessungen des zukünftigen Standortes vorgenommen. Auf alle Außenmaße nochmals 10 cm addiert. Stoßgebete formuliert.

Tag der Wahrheit.
Die bessere Hälfte mit vollendeten Tatsachen überrascht und von der Notwendigkeit des Vorhabens durch Darstellung des bereits fortgeschrittenen Stadiums überzeugt.

Im gleichen Atemzug bei einem Zooversandhandel wild und willig mehrere hundert Euro in Beleuchtung und Deko investiert, ohne wirklich zu wissen, welcher es letztendlich bedarf, die Rabattmarken dürfen ja nicht verfallen.

Entwürfe abgeschlossen, ausgedruckt und nochmals letzte Vermessungen angestellt.

Weitere hunderte von hart verdienten Euros auf die Konten diverser Terraristikfachversandhandelsgesellschaften transferiert.

Dem netten, geldzählenden Mann vom Münchner Holzkontor bei - 2° zum Abschied aus dem offenen Cabrioverdeck zugewunken.

Autodidaktischen Schnellkurs absolviert: Professioneller Umgang und Arbeiten mit einer Oberfräse. Koffer auf, auspacken, 6 mm Nut-Fräskopf einspannen, Stecker rein und ATTACKE!!!

(Für alle Männer die nicht wissen, was es heißt ca. 50 Laufmeter Nuten zu fräsen - Ihr könnt euch nachher eure Schuhe im stehen zubinden, das is Phase!)

TOTALER BAUSTOP, Heiland wird zum 2004tsten Male geboren, und alle daraus resultierenden Bräuche und Besuche müssen kategorisch erfüllt und abgearbeitet werden. 1500 km quer durch Deutschland, und dann endlich die langersehnten Brückentage (ursprünglich der geplante Einzugstermin des neuen schuppigen Freundes).

Hämmern, Sägen, Schrauben, Zimmern und urplötzlich, nachts um 3, RICHTFEST, der Rohbau nebst Dachgiebel steht. Wie eine Eins !!! Erleichterung. Prost! Prost und nochmals Prost.

Die endgültigen Rahmeninnenmaße nehmen und den Glaser im Innenhof konsultieren. Den Auftrag zum Glaszuschnitt in Form eines DIN genormten Maßblattes einreichen und, STAUNEN, was, morgen schon fertig? Ah ja, das freut mich und so billig, Mann, Super, Tip Top schlüpf durch.

Am anderen Morgen, bei Abholung, gleich mal die Bruchfestigkeit einer Schiebetür getesten und für eher mittelmässig befunden, somit das Testobjekt gleich nochmal nachmachen lassen.

HOCHZEIT, Holz heiratet Glas, Stecker rein, Licht aus, Spot an, ein Frohes Neues...

Over, Finished, Gone, Done, Out!

 

 

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Das Terrarium

die Chronologie des ganz normalen Wahnsinns